Tipico: Geld zurückfordern mit hoher Erfolgschance
Zwar steht das Urteil noch aus, doch die Hinweise aus der Verhandlung lassen erkennen, dass der EuGH das deutsche Verbot von Online-Sportwetten ohne gültige Lizenz wohl als vereinbar mit europäischem Recht ansieht. „Das Vertrauen in eine verbraucherfreundliche Entscheidung des EuGH im Sinne des Spieler- und Jugendschutzes ist durch die heutige Verhandlung noch gewachsen“, erklärt Thomas Sittner von CLLB Rechtsanwälte.
| Steuerart | Höhe | Schuldner | Bemessungsgrundlage |
|---|---|---|---|
| Umsatzsteuer auf Wettgebühr | 19% | Wettanbieter (Tipico) | Wetteinsatz (ausschließlich Gewinnanteil) |
| Rennwett- und Lotteriesteuer | 5% des Einsatzes | Wettanbieter (Tipico) | Jeder einzelne Wetteinsatz |
| Einkommensteuer auf Gewinn | 0% | Spieler | Gewinn aus Sportwette |
| Abgabe für Suchtprävention | Ca. 1,8% des Bruttospielertrags | Wettanbieter (Tipico) | Bruttospielertrag (Einsätze minus Ausschüttungen) |
Ein entsprechendes Urteil könnte zahlreichen Spielern in Deutschland ermöglichen, ihre Verluste aus Online-Sportwetten zurückzufordern, sofern der Anbieter keine gültige Lizenz besaß. Zum Hintergrund: Nach dem Glücksspielstaatsvertrag waren Online-Glücksspiele in Deutschland bis zum 1. Juli 2021 grundsätzlich verboten. Für Online-Sportwetten gab es allerdings einen Erlaubnisvorbehalt und die Veranstalter konnten schon früher eine Lizenz in Deutschland beantragen. Da aber das Vergabeverfahren unionsrechtswidrig durchgeführt wurde, konnten die Konzessionen zunächst nicht erteilt werden. Daher erhielt auch der Wettanbieter Tipico seine in Deutschland gültige Lizenz erst am 9. Oktober 2020. Der Kläger in dem zugrunde liegenden Fall hatte zwischen 2013 und 2020 über die deutschsprachige Webseite von Tipico an Online-Sportwetten teilgenommen und forderte seine Verluste in Höhe von rund 4.000 Euro zurück, da Tipico im streitgegenständlichen Zeitraum nicht über die erforderliche Lizenz verfügte und die abgeschlossenen Verträge daher nichtig seien. Das Fall landete schließlich vor dem Bundesgerichtshof. Der BGH machte zwar deutlich, dass er den Rückzahlungsanspruch des Spielers grundsätzlich für gerechtfertigt hält. Da aber auch europäisches Recht betroffen sei, schaltete der BGH den EuGH ein.
| Anbieter | Lizenznummer | Lizenz erteilt am | Lizenzbehörde |
|---|---|---|---|
| Tipico | 0033-21-HRW | 01.07.2021 | Landesverwaltungsamt Hessen |
| bet365 | 0026-21-HRW | 01.07.2021 | Landesverwaltungsamt Hessen |
| Interwetten | 0043-21-HRW | 15.10.2021 | Landesverwaltungsamt Hessen |
| Mybet (Entain) | 0028-21-HRW | 01.07.2021 | Landesverwaltungsamt Hessen |
Dieser soll klären, ob das nationale deutsche Verbot von Online-Glücksspielen mit dem europäischen Grundsatz der Dienstleistungsfreiheit vereinbar ist, auch wenn das Vergabeverfahren zuvor unionsrechtswidrig durchgeführt worden war. ein Vertrag über Online-Sportwetten nichtig ist, wenn der Anbieter nicht über die erforderliche Lizenz in Deutschland verfügte, allerdings eine Konzession beantragt hatte und das Vergabeverfahren unionsrechtswidrig durchgeführt wurde. das nationale Verbot von Online-Glücksspielen in Deutschland gegen die europäische Dienstleistungsfreiheit verstößt, wenn der Veranstalter der Online-Sportwetten eine Konzession beantragt hatte und das Vergabeverfahren unionsrechtswidrig durchgeführt wurde. Die Verhandlung vor dem EuGH entwickelte sich positiv zu Gunsten der Spieler.
Fragen zur aktuellen Rechtslage an den Heidelberger Rechtsanwalt Jörg Hofmann, der auf Glücksspielrecht spezialisiert ist
Gleichzeitig eilen die Wettanbieter von Rekordgewinn zu Rekordgewinn, wie der Suchtbeauftragte der Bundesregierung, Burkhard Blienert (SPD) unserer Redaktion schildert. „Allein in Deutschland verlieren Spielende bei Sportwetten in einem Jahr mehr bet wetten fussball heute tipico als 1,4 Milliarden Euro“. Blienert fordert daher strengere Werberegeln für Sportwetten. Am bundesweiten Aktionstag gegen Glücksspielsucht am 24. September 2025 wurde vor dem Europäischen Gerichtshof eine Klage gegen den Sportwettenanbieter Tipico verhandelt (Az. So machten die Vertreter Belgiens, Portugals und Griechenlands deutlich, dass sie das deutsche Verbot von Online-Sportwetten für zulässig halten, da es dem Spieler- und Verbraucherschutz diene.
- Spieler können sich selbst für bestimmte Zeiträume oder dauerhaft sperren lassen.
- Externe Sperren über die länderübergreifende OASIS-Sperrdatei sind möglich.
- Es gibt Tools zur Analyse des eigenen Spielverhaltens innerhalb des Accounts.
- Tipico weist auf Beratungsstellen wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hin.
Daran ändere auch ein möglicher Fehler im Lizenzvergabeverfahren nichts.
- Die Besteuerung der Wettgewinne erfolgt in Deutschland durch einen pauschalen Wettsteuerabzug von 5%.
- Der Steuerabzug wird direkt vom auszahlbaren Gewinnbetrag vor der Auszahlung einbehalten.
- Spieler müssen die Gewinne nicht in der eigenen Einkommensteuererklärung angeben.
- Die Steuerpflicht gilt für Gewinne ab dem ersten Euro, es existiert kein Freibetrag.
Auch wenn der Wettanbieter eine Lizenz in Malta habe, sei ein EU-Mitgliedsstaat nicht verpflichtet, die Genehmigungen anderer EU-Staaten anzuerkennen. Auch die EU-Kommission äußerte sich in dieser Richtung.
| Werbekanal | Erlaubnis | Einschränkungen | Beispiel Tipico |
|---|---|---|---|
| Fernsehen & Radio | Erlaubt | Nur 21:00 - 06:00 Uhr, kein Jugendbezug | Werbung in Sportsendungen nach 21 Uhr |
| Internet & Soziale Medien | Erlaubt mit Alterskontrolle | Zugangssperre für Minderjährige (Age-Gating) | Gezielte Werbung auf Sport-Newsseiten |
| Sport-Sponsoring | Eingeschränkt erlaubt | Keine Trikotwerbung, nur Bandenwerbung | Bandenwerbung in der Handball-Bundesliga |
| Außenwerbung (Plakate) | Stark eingeschränkt | Mind. 500m Abstand zu Schulen/Jugendeinrichtungen | Plakate in Bahnhöfen mit Abstandsregelung |
| Promi-Werbung | Verboten | Komplettverbot für Personen mit Vorbildfunktion | Keine Werbung mit Sportstars oder Influencern |
Das deutsche Verbot von Online-Sportwetten stehe im Einklang mit EU-Recht.
- Der deutsche Markt ist durch den Glücksspielneuregulierungsstaatsvertrag (GlüNeuRStV) geregelt.
- Die Aufsicht obliegt der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) in Halle (Saale).
- Die Lizenzierung soll fairen Wettbewerb und legalen, kontrollierten Markt sicherstellen.
- Illegale Anbieter ohne deutsche Lizenz werden von der GGL verfolgt und für Spieler gesperrt.
Es diskriminiere keine Anbieter und treffe private wie staatliche Anbieter gleichermaßen.
13. April 2022
Die Juristen Claus Goldenstein und Alexander Voigt vertreten Mandanten bei der Rückforderung von Spiel- und Wettverlusten. „Wir beraten zum Beispiel einen Zahnarzt, der eine Million Euro verzockt hat“, sagt Voigt. Im Durchschnitt gehe es bei den Mandanten um eine Summe von 34.000 Euro. Die Kanzlei ist im Dieselskandal bereits gegen Volkswagen mit mehr als 65.000 Klagen vor Gericht gezogen. VW habe damals eine Verzögerungstaktik gefahren, die sie nun auch bei Tipico beobachtet.
Rheinmetall und BVB Die umstrittensten Sponsoren-Deals der Bundesliga
„VW hat immer nur auf die Verjährung geguckt. Ihre Strategie lautete: Jeder, der nicht klagt, ist ein Gewinn“, meint Goldenstein. Der Konzern sei sich bewusst gewesen, dass die Aussichten schlecht sind. „Tipico ist klar, dass sie nicht gewinnen“, sagt der Rechtsanwalt. Daher habe das Unternehmen unbedingt erreichen wollen, dass das Verfahren vor dem EuGH landet.
So wird der Bonus freigeschaltet
Das Kalkül dahinter sei klar: „Tipico spielt auf Zeit und möchte, dass ein Grundsatzurteil so lange wie möglich verhindert wird, damit möglichst viele betroffene Glücksspieler ihre Klagen hinauszögern und bestehende Ansprüche verjähren“, so Goldenstein. „Dadurch spart die gesamte Wettbranche täglich Millionensummen, die eigentlich den geschädigten Glücksspielern zustehen würden.“ Der EuGH soll entscheiden, ob die EU-rechtliche Dienstleistungsfreiheit eines Anbieters mit Sitz in einem anderen EU-Land der Erstattung von Verlusten bei unerlaubten Sportwetten entgegensteht. Tipico geht davon aus, dass sein Angebot auch mit einer maltesischen Glücksspiellizenz in Deutschland legal ist. Tipico beruft sich auf die EU-Dienstleistungsfreiheit und fordert die Abweisung der Klage. Tipico-Anwalt Ronald Reichert zeigte sich bereits „sehr zuversichtlich“, dass der EuGH das Unionsrecht zugunsten des Wettanbieters auslegt. Am deutlichsten brachte es wohl der Generalanwalt des EuGH mit einer eher rhetorischen Frage auf den Punkt: Wenn ein EU-Mitgliedsstaat den Kokain-Verkauf legalisieren würde, müssten dann die anderen Mitgliedsstaaten den Kokain-Verkauf dulden, nur weil ein Fehler in einem Konzessionsverfahren unterlaufen ist?
Was können Spieler tun?
Der BGH hatte sich eher im Sinne der Verbraucher positioniert. Tipico behauptet, es habe alle inhaltlichen Voraussetzungen für die Erteilung einer deutschen Online-Sportwetten-Lizenz erfüllt und hätte daher schon vor dem neuen Glücksspielstaatsvertrag eine Lizenz für dieses Angebot erhalten müssen. „Wenn man keine Glücksspiellizenz hat, darf man in Deutschland keine Wetten anbieten.“ Es sei aber so oder so egal, ob alle Voraussetzungen für die Erteilung einer Lizenz erfüllt waren. „So einfach ist es.“ Der Jurist zieht einen Vergleich zum Straßenverkehr: „Wenn man sich einen Führerschein holen könnte, aber noch keinen hat, darf man ja auch nicht fahren.“ Dass Tipico diese Lizenz nicht erhalten hatte, liegt laut der Kanzlei auch am Angebot des Wettanbieters. Tipico und andere Seiten warben und werben intensiv mit sogenannten Live-Wetten.
Mit Wetten ins Abseits:Selbsthilfeprogamm gegen Glücksspielsucht
Online kann man so auf bestimmte Ereignisse wetten. Dabei geht es nicht nur um das nächste Tor, sondern auch um Entscheidungen wie den nächsten Einwurf oder die nächste Ecke. „Das treibt die Kunden förmlich in die nächste Wette und ist extrem suchtfördernd“, sagt Voigt. „Die Sportwettenanbieter haben viel dafür getan, dass die Leute einfach nicht aufhören konnten zu spielen, das ist der entscheidende Punkt.“ Seit Jahren steigt die Zahl der Glücksspielsüchtigen. Aktuell liegt sie bei 1,3 Millionen Menschen. Zudem ließen auch die Richter am EuGH durch kritische Nachfragen Richtung Tipico durchblicken, dass sie das deutsche Verbot für rechtmäßig halten. Schließlich sei das Verbot bekannt gewesen und dennoch habe Tipico jahrelang ohne die erforderliche Erlaubnis Online-Sportwetten in Deutschland angeboten. Insgesamt zeichnete sich ab, dass der EuGH der Auffassung des BGH folgen wird, dass Online-Sportwetten in Deutschland ohne die erforderliche Lizenz verboten waren und sind. Dementsprechend können die Spieler ihre Verluste aus verbotenen Online-Sportwetten zurückverlangen. „Wir sehen unsere Position, dass Spieler ihre Verluste zurückfordern können, wenn der Sportwettenanbieter – ob Tipico oder andere – nicht über die notwendige Lizenz verfügte, gestärkt und blicken einer Entscheidung des EuGH noch zuversichtlicher entgegen“, so Rechtsanwalt Sittner. Der Generalanwalt wird seine Schlussanträge am 11. Dezember 2025 stellen. Mit einem Urteil des EuGH wird dann 2026 gerechnet.
Sonderfall Schleswig-Holstein
Das geht seit Jahren auch im Internet – war womöglich aber lange illegal. Vor Gericht wird derzeit deshalb ein womöglich wegweisender Prozess verhandelt. Verlieren die Wettanbieter, könnten tausende Menschen ihr online verlorenes Geld zurückbekommen. Anbieter wie Tipico scheinen das zu wissen. Sie setzen auf eine Verzögerungstaktik, sagen Rechtsexperten.
Sport Dokus:Sportwetten: Ex-Fußballprofi packt aus
Konkret geht es um den am Bundesgerichtshof (BGH) behandelten Fall eines Klägers, der über Jahre online getippt hat. Beim Anbieter Tipico hatte der Mann zwischen 2013 und 2018 insgesamt 3.718,26 Euro bei Online-Sportwetten verloren. Er argumentiert, dass Tipico während dieses Zeitraums über keine deutsche Lizenz für Online-Sportwetten verfügt hatte. Das Unternehmen hatte lediglich eine Konzession der maltesischen Glücksspielaufsichtsbehörde. Erst 2021, mit dem Inkrafttreten des neuen Glücksspielstaatsvertrags, änderte sich dies bundesweit.
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Trotz seiner fehlenden Lizenz bot Tipico Wetten auf Fußball, Tennis und Eishockey an, was im Grunde genommen illegal gewesen sein könnte. Die Klägerseite meint, dass die Wettverträge zwischen dem Kläger und Tipico unwirksam waren. Tipico hat seinen Sitz in Malta, einem EU-Land. Deshalb geht der Prozess nun an den Europäischen Gerichtshof (EuGH). Bis der EuGH zu einem Urteil kommt, dauert es wohl bis zu ein Jahr, wie die Rechtsanwälte der Kanzlei Goldenstein im Gespräch mit IPPEN.MEDIA erklären. Mehrere Tausend Spieler haben Deutschlands größten Sportwettenanbieter Tipico verklagt und teils auch Urteile erwirkt.
- Spieler müssen sich mit der Videoidentifikation verifizieren, um ein Konto zu eröffnen.
- Es gelten gesetzliche Einzahlungslimits, die monatlich voreingestellt sind.
- Eine Sperrfunktion für Konten ist über die OASIS-Sperrdatei oder direkt beim Anbieter möglich.
- Tipico ist verpflichtet, Spieler auf riskantes Spielverhalten hinzuweisen und Hilfsangebote zu verlinken.
Doch nach Monitor-Recherchen könnte Tipico das Geld längst in Sicherheit gebracht haben. Seit seiner Kindheit ist der 48-jährige kaufmännische Angestellte Fan des FC Bayern München. Die deutsche Torwart-Ikone warb jahrelang für den Sportwettenanbieter Tipico. "Ihre Wette in sicheren Händen", versprach Kahn - und so begann Keller 2015 mit Sportwetten. Am Ende hatte er mit Sportwetten und Glücksspiel rund 80.000 Euro verloren.
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