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Ich hatte die eine Spielerin beruflich, als Journalistin, kennen gelernt und half ihr beim Aufbau der ersten Hamburger Gruppe. Außerdem half ich ihr -ahnungslos – noch, möglichst viel Geld aus möglichst vielen Institutionen raus zu locken, so dass sie möglichst lange weiterspielen konnte.

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Sonst kann er, möchte ich fast sagen, um im Bild zu bleiben, seinen Hut …nehmen. Aber dann wird mir nicht nur die Automatenindustrie wieder übertriebene Emotionalität vorwerfen. Die allerdings will ich mir nicht nehmen lassen, schließlich habe ich mich zehn Jahre lang bemüht, Spielern, die sich ihre Gefühle kaputt gespielt hatten, wieder welche … einzuhauchen. Mein Rückblick auf diese zehn Jahre, in denen ich die Entwicklung der Gruppen beobachten, die Bewegung begleiten konnte, gibt Ihnen daher auch eher Stimmungen, Impressionen wieder. Im März 1983 gab es zwei AS-Gruppen (Anonyme Spieler) in Hamburg und Tostedt.

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Eine bestand schon in Lübeck und eine in Bremen, aber das wussten wir nicht. Im Oktober 1984 waren es 15 Gruppen bundesweit. Im April ’92 waren es 78, jetzt seid Ihr bei 96 Gruppen mit einigen tausend Mitgliedern angekommen, inklusive neue Bundesländer. Eine Gemeinschaft, die sich selbst cas casino austria schweiz trägt, mit funktionierendem Kontaktnetz, jährlichen Deutschlandtreffen, Landesgruppentreffen, Rundbrief, regelmäßigen Diensten wie Telefondienst, Übersetzungsteam, Literaturteam, Öffentlichkeitsarbeit und so weiter. Und jetzt kann ich wieder den Hut ziehen und „alle Achtung“ sagen, denn, ganz ehrlich, ich hätte es Euch am Anfang nicht zugetraut. Das passierte aber an einer anderen Ecke des Bewusstseins. Sie schlossen sich zusammen, um aufzuhören, viele schafften es in der ersten Zeit aber nicht. Die Anfangsphase war geprägt durch diese beiden Seiten, Hoffnung und Verzweiflung, Lüge und Wahrheit. Dann war da noch diese wütende ältere Dame in Tostedt. Die wollte am liebsten alle Spielcasinos in die Luft jagen, und dazu noch gleich eine Bombe nach Bonn. Sie hatte ihr Vermögen in alle deutschen und umliegenden Spielcasinos getragen, und nun hatte sie einen (un)-heiligen Zorn. Zusammen haben wir Neueröffnete Spielhallen gestürmt und Flugblätter verteilt.

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Der Anfang in Hamburg, das waren zwei Paare: ein Ehepaar und lesbisches Paar. Eine Spielerin und ein Spieler mit ihren Lebensgefährtinnen. Es gab kein Geld, keine Räume, keine Unterstützung Aber viel Streit, Kontrolle, Misstrauen. Viel Konkurrenz, viele Lügen und unglaublich viel Zigarettenqualm. Und es gab den grandiosen Willen, den Politikern, Medizinern, der Automatenindustrie mal richtig die Meinung zu stoßen, ihnen zu sagen, was Sache ist, und bei der Gelegenheit mal eben die Welt zu verändern. Von der so genannten Würde des Alters war nichts zu spüren, wenn Maria, die hier viele kennen, losgelassen war. Und so ist es auch heute noch: Maria, inzwischen 73, lässt herzlich grüßen, sie wäre gern gekommen, ist aber krank. Eine Botschaft hat sie mir mitgegeben: Die sollen aufhören! Und hat mit ihrer Wut manchen Spieler das Fürchten gelehrt Es war tatsächlich so, dass sich in der Anfangszeit – 1983, 1984 – einige Spieler nicht mehr in Spielhallen getraut haben, aus Angst, Maria würde auftauchen wie der Zorn Gottes und sie aus der Halle zerren.

Forum III 2010

Hier kann ich nun zum ersten Mal meinen Hut ziehen. Aus dem Hut wird der Hamburger Senat vielleicht seine Meinung zaubern, wenn am 26. März im Bundesrat darüber abgestimmt wird, ob der Einsatz an Geldspielgeräten um 33 Prozent erhöht wird. Eben jener Geräte, an denen sich viele von Ihnen oder von Ihren Patienten auch ohne diese Erhöhung schon um Geld, Besitz, Beruf, Beziehung gespielt haben. Falls der Bundesrat – unter dem Druck der Automatenindustrie – dieser Erhöhung zustimmt, ließe sich als einziges Plus auf der Verliererseite ein Zeitgewinn preisen: Man kann sich dann um ein Drittel schneller totspielen.

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Auf der Seite der Gewinner, der Automatenindustrie, stünde ein Umsatzplus von annähernd einer Milliarde Mark cas online casino für schweiz (errechnet in Anlehnung an Jahrbuch Sucht ’93, S. 102) zu Buche. Am 19. Februar, zum Zeitpunkt der Kleinen Anfrage der Abgeordneten Anna Bruns zum Thema Glücksspiel in Hamburg, hatte der Senat noch nicht mit seiner Meinungsbildung begonnen, war aber immerhin schon der Ansicht, (Zitat:) die „Wertung ist nicht auszuschließen“, dass eine solche Erhöhung des Spieleinsatzes einen zusätzlichen Spielanreiz bedeute. Da die Selbstgestellte Aufgabe des Staates ausdrücklich ist, die Spielleidenschaft des Menschen in Grenzen zu halten, bin ich eigentlich zuversichtlich, dass sich der Senat dieser behütenden Aufgabe bewusst ist und dementsprechend gegen die Erhöhung stimmen wird. Von den AS- oder GA-Prinzipien, wie wir sie heute kennen, war damals also noch nichts zu spüren. Fast ein Jahr dauerte es, bis sich getrennte Spieler- und Angehörigengruppen bildeten.

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Die Trennung war der erste wichtige Entwicklungsschritt. Bis dahin hatten sie zusammengehockt, um sich weiszumachen, dass sie sich endlich die Wahrheit sagen würden, dabei waren die Spieler noch dringend darauf angewiesen, dass ihre Angehörigen ihnen ihre Lügen glaubten. Und die Angehörigen hatten fürchterliche Angst, über irgendetwas anderes zu reden als über ihre Spieler.

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Dann haben wir GA-Material in den USA und in England bestellt und uns ans Übersetzen gemacht. Dabei kam es zum zweiten kritischen Punkt: Die Spieler stellten fest, dass sie Gott nicht brauchten. Sie schmissen ihn aus dem alten anerkannten AA-Programm raus. So kam es, dass die cas casino mindesteinzahlung 1 € anderen A-Gruppen ein Zwölf-Punkte-Programm haben, die Spieler in der Anfangsphase aber mit zehn Punkten ausreichend bedient waren. Einige hier erinnern sich noch an die wilden Diskussionen um Gott. Inzwischen ist er – sozusagen in Ehren – wieder aufgenommen worden – so wie jeder ihn versteht. Die Gruppenabende damals, 1983, 84, 86 sind schon so etwas wie ein Mythos geworden, das waren auch Sternstunden für mich: Da sitzt der deutsche Jurist aus feiner Hamburger Familie mit dem italienischen Gastarbeiter, den er sonst nie kennen gelernt hätte, an einem Tisch zusammen mit dem Croupier aus einem illegalen Spielclub in St. Pauli, der den Juristen vor einem halben Jahr noch abgezockt und betrogen hat. Der Jurist merke das damals, sagte aber nichts, er wollte ja weiterspielen.

Forum I 2010

Viel mehr, nämlich 100 Millionen Mark flossen 1992 aus der Hamburger Spielbank und ihren drei Dependancen in das Füllhorn. Genau waren es 96.971.000 Mark, wie der Senat gerade mitgeteilt hat. Dazu dürfen 20.000 Spieler ihr Scherflein nicht mehr beitragen: sie sind an der Hamburger Spielbank gesperrt worden oder haben sich selbst sperren lassen. Viele von ihnen haben unkontrolliert, süchtig gespielt, und nicht nur wie der Durchschnittsbesucher 130 Mark, sondern sehr viel mehr im Casino zurückgelassen. Natürlich muss für diese fehlende Klientel ein Ausgleich geschaffen werden: Eine Million Mark gibt die Spielbank jährlich für Werbung aus.

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Bei so vielen Einnahmen kann sich die Stadt natürlich nicht lumpen lassen, sie greift in ihren Hut und zieht etwas heraus. Großzügige Erweiterung der stationären Therapiemöglichkeiten im AK-Ochsenzoll? Zusätzliche ABM-Stellen im ambulanten Bereich – ach, man wäre ja schon dankbar, wenn die bestehenden erhalten blieben. Nein, es ist eher ein weißes Kaninchen, was zum Vorschein kommt: 1000 Mark gibt Hamburg jährlich aus, um die Selbsthilfegruppe „Spieler helfen Spielern“ zu unterstützen. Anonymous, nehmen keine öffentlichen Mittel, sondern tragen sich durch eigene Spenden, was ihnen zur Ehre gereicht. Nun ist der Croupier arbeitslos und stellt fest, dass auch er abhängig ist vom Glücksspiel. Früher hat er die erspielten Tausender in derselben Nacht im Club nebenan verspielt. Jetzt ist er ohne Job und muss das Geld, das er nicht hat, trotzdem weiter verspielen. Und da erinnert er sich, dass die Spieler an seinem Tisch immer, was von AS erzählten und dass sie besser dahin gehen sollten statt zu ihm. Und so treffen sie sich alle wieder in der Selbsthilfegruppe und merken, dass sie keine Gegner sind, sondern denselben Feind haben.

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Da ich immer auch für die feuilletonistische Seite einer ernsten Sache zuständig bin, kann ich mir das erlauben. Anwesende Vertreter der Kostenträger mögen darin das Gefäß sehen, mit dem stationäre und ambulante Betreuer unterwegs sind, um überhaupt noch Gelder für Spielertherapien zusammenzubetteln. Er steht aber auch für das Füllhorn des Hamburger Fiskus, der im letzten Jahr 17,9 Millionen Mark aus dem Betrieb von Geldspielautomaten eingenommen hat. Damit Sie sich plastisch vorstellen können, was das bedeutet, habe ich – nach einer Idee von Frau Füchtenschnieder – diese Geräte ins Verhältnis gesetzt zu Kästen, die Ihnen allen bekannt sind: Telefonzellen und Briefkästen. Dabei kam heraus, dass sich 523 Hamburger Bürgerinnen und Bürger einen Briefkasten teilen müssen, 404 eine Telefonzelle, aber nur 205 ein Geldspielgerät.

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Diese Zahl scheint den Senat selbst beeindruckt zu haben, denn er hielt es für geboten, eine Erklärung anzufügen: Hamburg, sagt er, wird regelmäßig von einer großen Zahl von (Tages)Touristen besucht. Das sind also gar nicht die Hamburger, die hier in den Kneipen und Daddelhallen spielen, das sind die Touristen. Geldspielgeräte sind inzwischen bundesweit flächendeckend verteilt, in den alten wie in den neuen Bundesländern. Selbsthilfegruppen aus Stade und Schwerin, aus Lübeck, Elmshorn und Rostock, aus Lüneburg und Diepholz wissen, dass man nicht nach Hamburg kommen muss, um zu daddeln. Geldspielgeräte werden gering besteuert: 270 Mark im Monat pro Gerät in der Spielhalle – so ein Gerät kann bis zu 5000 Mark einbringen -, und 80 Mark an anderen Standorten. Im Herbst ’83 und Herbst ’84 bot die Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren zum ersten Mal auch Spielern ein Forum. Einige Betroffene erschienen, lernten sich kennen, Gerhard Meyer war auch da, der hatte ihre Krankheit beschrieben. Da kriegten sie Mut, etwas von sich zu erzählen. Und wurden abgebürstet von offiziellen Sucht-Fachleuten.

Ein Schlüsselerlebnis auch für mich, denn hatten nicht die süchtigen Spieler in Wirklichkeit die größte Kompetenz auf dem Gebiet Spielsucht?